Promischuhe

Allgemein

Startseite Impressum Kontakt

Willy Brandt

Brandt, Willy (1913-1992), Journalist und Politiker (SPD), vierter Bundeskanzler (1969-1974) der Bundesrepublik Deutschland. Als erster sozialdemokratischer Kanzler der Nachkriegszeit ergänzte Brandt die von Konrad Adenauer in der Ära des Kalten Krieges begründete Westintegration der Bundesrepublik durch eine Politik der Verständigung und Aussöhnung mit Osteuropa.

Willy Brandt wurde als Herbert Ernst Karl Frahm am 18. Dezember 1913 in Lübeck geboren. Schon als Jugendlicher politisch aktiv, schloss er sich 1930 zunächst der SPD an, 1931 wurde er dann Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP). Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 emigrierte er nach Norwegen und nahm aus Sicherheitsgründen den Decknamen Willy Brandt an (die formelle Namensänderung erfolgte 1949). In der Folge arbeitete er in Oslo als Journalist und studierte Geschichte. 1936 war er unter falschem Namen, vorgeblich als norwegischer Student, im Untergrund in Berlin tätig. 1938 wurde er von den deutschen Behörden ausgebürgert; 1940 nahm er die norwegische Staatsbürgerschaft an, und noch im selben Jahr musste er nach der Besetzung Norwegens durch die Deutschen seine neue Heimat in Richtung Schweden verlassen. 1945 kehrte er als Berichterstatter für die skandinavische Arbeiterpresse beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess nach Deutschland zurück und arbeitete ab 1947 als Presseattaché der norwegischen Vertretung beim alliierten Kontrollrat in Berlin. Nach seiner Wiedereinbürgerung 1948 begann Brandt als Vertreter des SPD-Parteivorstands in der geteilten Stadt Berlin seine politische Nachkriegskarriere. Von 1949 bis 1957 gehörte er dem Deutschen Bundestag an, und 1957 folgte er Otto Suhr im Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, das er bis 1966 ausübte. 1964 löste er Erich Ollenhauer als Vorsitzender der SPD ab, ein Amt das er bis 1987 beibehielt. Von 1987 bis zu seinem Tod 1992 war er Ehrenvorsitzender seiner Partei. Konfrontiert mit dem sowjetischen Berlin-Ultimatum 1958 und dem Mauerbau 1961, setzte sich Brandt als Regierender Bürgermeister auf der internationalen politischen Bühne für die Freiheit Westberlins ein. 1963 erzielte er mit dem Passierscheinabkommen mit der DDR einen ersten Erfolg in seinen Bemühungen, die Ost-West-Blockkonfrontation durch eine neue Ostpolitik des "Wandels durch Annäherung" aufzulösen. Als Vizekanzler und Außenminister der großen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (1966-1969) bemühte sich Brandt um eine Verbesserung des Verhältnisses zu den europäischen Nachbarn im Osten, das er als Bundeskanzler (1969-1974), unterstützt von Außenminister Walter Scheel, durch die Grundlagenverträge mit der Sowjetunion und Polen (1970, Moskauer Vertrag und Warschauer Vertrag) auf eine gutnachbarschaftliche Basis stellte und damit das Viermächteabkommen über Berlin (1971), den Grundvertrag mit der DDR (1972) und den deutsch-tschechoslowakischen Vertrag (1973) erst ermöglichte.
Nach seinem Amtsantritt als Bundeskanzler 1969 begann Brandt mit der Umsetzung innenpolitischer Reformen, die er in seiner ersten Regierungserklärung mit dem Schlagwort "Mehr Demokratie wagen" zusammenfasste. Wegen seiner Ostpolitik, die innenpolitisch umstritten war, genoss er international hohes Ansehen, und aufgrund seiner außenpolitischen Bemühungen um eine Aussöhnung erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis. 1972 konnte er sich knapp gegen ein konstruktives Misstrauensvotum im Bundestag behaupten, das die CDU gegen seine Ostpolitik eingebracht hatte. Durch seine gesellschaftspolitischen Reformen versuchte er, die innenpolitische Polarisierung mit der außerparlamentarischen Opposition zu überwinden. Den von ihm mitgetragenen umstrittenen Radikalenerlass" (1972) gegen vermutete Demokratiefeinde erkannte er später als Fehler. In seiner zweiten Amtsperiode ab 1972 traten innenpolitische Themen und Probleme in den Vordergrund. Differenzen mit dem angesehenen Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller über Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation sowie der massive Druck der Interessensverbände der deutschen Wirtschaft und der katholischen Kirche, die entschieden gegen die geplante Liberalisierung des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch polemisierte, schwächten seine Stellung. 1974 trat er im Zusammenhang mit einer Spionageaffäre, der so genannten Guillaume-Affäre, als Bundeskanzler zurück. Brandt blieb weiterhin Vorsitzender der SPD (bis 1987) und Bundestagsabgeordneter (bis 1992). Er stand der Friedensbewegung nahe; dies führte u. a. zu sicherheitspolitischen Kontroversen mit seinem Amtsnachfolger Helmut Schmidt. Von 1979 bis 1983 war Brandt Mitglied des Europäischen Parlaments, und als Präsident der Sozialistischen Internationale (1976 bis 1992) und der Nord-Süd-Kommission (1977-1989) blieb er vor allem auf internationaler Bühne weiterhin aktiv. Die Vereinigung der beiden deutschen Staaten begrüßte er optimistisch: Es wächst zusammen, was zusammengehört." Brandt starb am 8. Oktober 1992 in Unkel am Rhein.

Quelle: www.willybrandt.mh.nw.schule.de; Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2000. © 1993-1999 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.